Costa Rica – Ode an die Lebensfreude

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Costa Rica zu sehen, heißt, die Welt neu zu sehen. Wir waren gerade da und sind noch ganz beseelt. Denn das lateinamerikanische Land zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden, der Karibik im Osten und dem Pazifik im Westen steht nicht nur für die klassische Urlaub-unter-Palmen-Erholung, sondern für die Entdeckung einer neuen Welt. Einer wunderschönen, saftig-grünen, bezaubernd lebendigen und überaus freundlichen Welt. Noch nie wurden wir von der Natur so umarmt – und gefühlt auch von den Menschen. Pura Vida, der unbeschwerte, achtsame und dankbare Blick auf das Leben, ist für die Ticos, wie sich die etwas mehr als fünf Millionen Costa-Ricaner selbst nennen, eine Lebenseinstellung, die schnell abfärbt. Ein Stück dieses Urlaubsglücks nimmt man im Herzen mit nach Hause.

Natürlich ist hier auch luxuriöses Strandvergnügen möglich, ein Ritz-Carlton-Resort hat gerade eröffnet, Four Seasons folgt zum Jahresende. Aber in einem Land, in dem aktive Vulkane, beeindruckende Berge, großartige Strände, üppig-dichte Regenwälder und behutsame Tierbegegnungen oft nur einen flinken Transfer voneinander entfernt sind, ist die Verbindung von Land, Strand und Leuten das eigentliche Erlebnis. Die Biodiversität auf kleinstem Raum ist atemberaubend. Ja, Costa Rica ist ein Naturwunderland. Die Anreise dauert nicht länger als in die Karibik. Bis zu einem Aufenthalt von 90 Tagen braucht man kein Visum, nur passende Kleidung, denn in Costa Rica herrscht das ganze Jahr über tropisches Klima. Die Hauptstadt San José wird von den sattgrünen Hügeln des Valle Central umrahmt. An der Kolonialarchitektur sieht man auf den ersten Blick, dass ein Großteil der Ticos von spanischen Einwanderern abstammt. Das Abendessen bietet oft schon die erste Begegnung mit Gallo Pinto, dem Nationalgericht aus gebratenem Reis und schwarzen Bohnen, das mit Koriander, Zwiebeln und roter Paprika verfeinert wird. Dieses so bescheidene wie bezaubernde Gericht verkörpert perfekt die costa-ricanische Farm-to-table-Philosophie.

Westwärts Richtung Pazifik ist es nur ein Katzensprung zur Nicoya-Halbinsel, einer von nur fünf „Blue Zones“ weltweit, in denen Menschen nachweislich länger und gesünder leben. Vielleicht liegt es an der Ernährung, vielleicht an der Gelassenheit Beeindruckt geht es weiter nach Sámara, das an einem sichelförmigen Strand mit ruhigem türkisfarbenem Wasser liegt. Der Blick auf den Pazifik ist atemberaubend. Doch die wahre Magie erwartet uns nach Einbruch der Dunkelheit: die Eiablage der Olive-Ridley-Meeresschildkröten. Mit respektvollem Abstand bei gedämpftem rotem Licht, das die Tiere nicht stört, beobachten wir, wie die Weibchen mühsam ihre Nester graben und die nächste Generation dem Sand anvertraut. Mit etwas Glück sind auch schon erste Baby-Schildkröten geschlüpft. Ein Moment purer Demut vor der Natur. Der dunkle, fast schwarze Sand der vulkanischen Strände der Pazifikküste ist Zeuge der vulkanischen Vergangenheit Costa Ricas und bietet einen dramatischen Kontrast zum tiefblauen Ozean und zu den hellen karibischen Stränden mit ihrem Surfer-Flair im Osten des Landes. Das Meer ist kristallklar und lädt zum Schnorcheln und Tauchen ein, bunte Fischschwärme tummeln sich zwischen Korallen. Die laute Welt ist ganz weit weg. Und Strandrestaurants servieren die Sopa de Mariscos, eine Meeresfrüchtesuppe auf Tomatenbasis mit Muscheln, Garnelen, Tintenfisch und dem Fang des Tages. Zurück im Landesinneren taucht er plötzlich am Horizont auf: der Vulkan Arenal, ein majestätischer Kegel, der aus der Ebene von La Fortuna ragt. Unser Weg führt uns zu den Ecotermales, einem exklusiven Badekomplex am Fuße des Arenal, dessen heiße Quellen durch seine vulkanische Aktivität gespeist werden. Die Kombination aus warmem Wasser, üppigem Regenwald und leichtem Tropenregen ist ein Wellnesserlebnis der unvergesslichen Art.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit einem Füllhorn tropischer Früchte – von Papaya über Ananas bis hin zu cremiger Guanábana – beginnt die Erkundung des Regenwaldes mit einer Seilbahn-, Zipline- und Hängebrücken-Tour durch die verschiedenen Höhenstufen der Vegetation. Man spürt, wie der ganze Dschungel lebt und atmet. Und es lassen sich Faultiere, Brüllaffen, Tukane und Kolibris beobachten und manchmal sogar der scheue Quetzal, jener grün und scharlachrot gefärbte Vogel, der als einer der schönsten der Welt gilt und bei den Mayas als heilig verehrt wurde. Beim Besuch des La-Fortuna-Wasserfalls herrscht passend eine Stimmung wie in einer Kathedrale, wenn sich nach 500 Stufen Abstieg durch dichten Regenwald das Wasser aus 70 Metern Höhe tosend in ein smaragdgrünes Becken hinabstürzt.

Ein Abstecher nach Sarapiquí im Norden, ein Paradies im Paradies, das für seine besonders reiche Biodiversität bekannt ist, lohnt sich immer. Auf Trails durch verschiedene Mikrohabitate lassen sich winzige Pfeilgiftfrösche in leuchtenden Farben entdecken. Noch abenteuerlicher wäre Wildwasser-Rafting auf dem Río Sarapiquí, einem der schönsten Flüsse Costa Ricas, der so warm ist, dass man keine Neoprenkleidung braucht. Danach belohnt man sich gerne mit einer Schokoladenverkostung in der Tirimbina Biological Reserve. Costa Rica produziert einige der feinsten Kakaobohnen der Welt mit Aromen von Nüssen, Früchten und Gewürzen. Und die Ureinwohner haben den Kakao seit Jahrhunderten nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Währung und in Zeremonien verwendet. Der Besuch auf einer lokalen Kaffeefarm erinnert uns daran, dass wir Costa Rica auch zu Hause genussvoll begegnen können. Seit dem späten 18. Jahrhundert ist der Kaffee das wirtschaftliche Rückgrat des Landes, das per Gesetz nur die hochwertigste Sorte Arabica kultiviert, mit faszinierenden Noten von Schokolade, Zitrusfrüchten, Nüssen und floralen Untertönen.

Mit diesem Geschmack auf den Lippen und unzähligen Bildern im Kopf beenden wir unsere Tage in einem Land, das uns mit seiner Natur überwältigt und mit seiner Herzlichkeit berührt hat. Costa Rica hat bewiesen, dass wirtschaftlicher Erfolg, Umweltschutz und nachhaltiger Tourismus Hand in Hand gehen können und dass das „Pura Vida“-Gefühl mehr ist als ein Slogan. Es ist eine eigene Welt.

Bildrechte: Gersh Daniel Gerstenhaber (Playa Hermosa), Lisa-Marie Leuteritz (Hängebrücke, La-Fortuna-Wasserfall, Mitarbeiter Hacienda Doka, Papageien, Vulkan)