Casa de Limoneiro
Casa del Limonero
Calle Guzmán el Bueno n°4
E-41004 Sevilla
Tel. 0034/955/440070
Einst war die Casa ein verlassenes Gebäude, überwuchert von Zitronen- und Orangenbäumen, mit von der Zeit gezeichneten Bögen und Wänden. Was andere vielleicht abgerissen hätten, wurde von einem französischen Kunstsammler, der lieber anonym bleibt, gekauft und mit fast archäologischem Feingefühl freigelegt, restauriert, ergänzt und eingerichtet. Beeindruckend: die Alfarje (ornamentreiches Deckenholz) und die wunderschönen Azulejos (farbenfrohe Keramikfliesen), manche jahrhundertealt und Zeugen der Identität des Hauses. Wo es möglich war, blieben sie an Ort und Stelle – als sichtbare Narrative der Historie. Ein tiefes Nachtblau zieht sich wie ein dramaturgischer Faden durch das Gebäude: auf den Metallgittern, als Farbe der Deckenlampen und selbst bei den Leinenkimonos in den Zimmern. Es ist eine augenzwinkernde Reminiszenz an die Uniformfarbe der spanischen Nationalpolizei. Und dennoch wirkt hier nichts ironisch oder bemüht. Der Stil ist nicht laut, sondern durchdacht, fast poetisch. Die 14 Zimmer – jedes für sich eine kleine Hommage an Material, Licht und Textur – erzählen ganz unterschiedliche Geschichten. Besonders eindrucksvoll: die Asiática-Suite, in der eine original sevillanische Marmorsäule aus dem Garten zum zentralen Gestaltungselement wurde. Wie ein Erinnerungsanker steht sie da, begleitet von eukalyptusfarbenen Wänden, Waldtapete und modernen Bildern. Kein Raum gleicht dem anderen, und dennoch sprechen sie alle dieselbe leise, elegante Sprache.
Der Frühstücksbereich öffnet sich zu einem Innenhof voller Zitrusbäume – und ähnelt eher einem Künstleratelier als einem gastronomischen Ort. Lichtinstallationen, Bücherregale, handverlesene Objekte: Die Casa del Limonero ist kein Ort, an dem man nur verweilt. Sie ist ein Ort, der den Gast einbezieht, der zum Dialog einlädt, auf eine Reise durch Zeiten und Kulturen. Sogar im kleinen Spa zeigt sich diese Haltung. Der hamamartige Bereich ist eine stille, fast meditative Zone. Kein überflüssiger Prunk, sondern ruhige Materialien, gedämpftes Licht, klare Linien. Der Pool ist bewusst kompakt gehalten – aus Respekt vor der Wasserknappheit –, aber dennoch kunstvoll in den Raum integriert. Hier herrscht die gleiche Form von Eleganz wie im Rest des Hauses: sparsam, aber eindringlich. Auch die Innenstadt Sevillas liegt direkt vor der Tür – mit all ihrer Geschichte und Hitze, ihrem Lärm und ihrer Sinnlichkeit.
