FENIX Museum
Schon der Ort selbst erzählt von Migration. Denn das Museum befindet sich in einem ehemaligen Lagerhaus im historischen Hafenviertel Katendrecht, von dessen Kais seit dem späten 19. Jahrhundert Millionen von Menschen nach Amerika aufbrachen. Unter ihnen Albert Einstein, Willem de Kooning oder Max Beckmann. Rotterdam war immer eine Stadt von Ankunft und Abschied, geprägt von mehr als 170 aktuell dort lebenden Nationalitäten. Das chinesische Büro MAD Architects verwandelte das weitläufige Lagerhaus in einen offenen Kulturort. Herzstück ist der sogenannte „Tornado“, eine spektakuläre Doppelhelix-Treppe aus Holz und poliertem Stahl, die sich spiralförmig durch das Dach windet und auf eine Plattform über der Maas führt. Die Architektur vermeidet, dem Thema entsprechend, jede Monumentalität des Stillstands, alles scheint im Fluss.
Inhaltlich verbindet das FENIX zeitgenössische Kunst, historische Objekte und persönliche Geschichten. Die ständige Ausstellung „Alle Richtungen“ versammelt mehr als 150 Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler. Zu sehen sind etwa Rineke Dijkstras Langzeitserie „Almerisa“, die den Weg eines bosnischen Flüchtlingskindes ins Erwachsenenleben begleitet. Kimsoojas „Bottari Truck Migrateurs“ zeigt einen mit traditionellen koreanischen Stoffbündeln beladenen Peugeot und macht
das Unterwegssein zum Sinnbild von Migration und Ungewissheit. Besonders eindrücklich ist „The Family of Migrants“, eine große Fotoausstellung mit fast 200 Arbeiten aus 55 Ländern, die Migration als universale menschliche Erfahrung erzählt. Ikonische Bilder wie Dorothea Langes „Migrant Mother“ begegnen modernen Fotografien von Flucht und Heimatverlust. Auch das Kofferlabyrinth folgt diesem Gedanken. Zweitausend gespendete Koffer verdichten sich zu einem Archiv persönlicher Reisegeschichten. Manche Spenderkoffer kehren nach Ge- nerationen aus Kanada oder Australien nach Rotterdam zurück, an jenen Hafen, von dem ihre Besitzer einst aufbrachen. Das Museum will jedoch mehr sein als ein Ausstellungsort. Mit dem öffentlich zugänglichen „Plein“, Restaurants, Märkten, Lesungen und Sprachcafés öffnet es sich bewusst in die Stadt hinein und begreift Migration nicht als abgeschlossene Erzählung, sondern als alltägliche soziale Realität. Gerade darin liegt seine Bedeutung. In einer Zeit, in der Migration wieder vor allem als Krise beschrieben wird, erinnert das FENIX daran, dass hinter jeder Bewegung ein Mensch steht. Vielleicht braucht es heute genau solche Orte: Räume, die weder romantisieren noch moralisieren, sondern Begegnung ermöglichen und damit etwas, das in politischen Debatten oft verloren geht: Empathie.
