Innsbruck
Innsbruck im Sommer ist einen Ausflug wert, der schnell zum begeisternd vielfältigen Kurzurlaub werden kann. Die Altstadt war schon vor über 500 Jahren ein urbanes Zentrum, als Kaiser Maximilian I. um 1500 einen gotischen Erker mit 2.657 feuervergoldeten Kupferschindeln decken ließ: das Goldene Dachl, das als Logenplatz für Ritterturniere diente. Ein Spektakel, das Publikum aus dem ganzen Alpenraum anzog. Auch heute noch ist rund um Innsbrucks Wahrzeichen diese historische Aura zu spüren. In gotischen Laubengängen ebenso wie in barocken Bauten, mal verspielt in rosa-weißem Stuck am Helblinghaus, mal prachtvoll im Dom zu St. Jakob. Wer die Ausdauer dafür hat, erklimmt die 133 Stufen rauf auf den Stadtturm und kann sich von der 31 Meter hohen Aussichtsplattform aus das damalige Treiben bestens vorstellen.
Die Maria-Theresien-Straße ist die Hauptschlagader der Stadt, hier fühlt sich Innsbruck pulsierend lebendig an. Die Rathausgalerien des französischen Stararchitekten Dominique Perrault und das Kaufhaus Tyrol des Briten David Chipperfield setzen zeitgemäße Designakzente und jedem Shoppingbummel ein Krönchen auf. Der fröhliche Lifestyle in den Straßencafés bildet einen aparten Kontrast zu den perfekten Palaisfassaden. Weiß-golden erhebt sich dazwischen die Annasäule und im Süden begrenzt die Triumphpforte Innsbrucks Prachtstraße. All das ist auf einnehmende Weise überschaubar, gemütlich, ziemlich schick und hat sehr viel Charme.
STADT TRIFFT BERG
Gerade in den Sommermonaten, die ja immer wärmer werden, lohnt sich ein Blick über das Stadtherz hinaus. Denn in keiner anderen europäischen Metropole vergleichbarer Größe liegen geschäftige Betriebsamkeit und hochalpine Bergeinsamkeit so nah beieinander wie in Innsbruck. Noch schnell einen Espresso in einem der Cafés in der Altstadt und flugs geht’s mit den Nordkettenbahnen in nur 30 Minuten hinauf ins Reich von Steinbock und Gams auf über 2.000 Meter Höhe – und hier ist es sogar im Juli und August angenehm kühl. Unterwegs erhascht man einen Blick auf Architekturpreziosen der Moderne: Zaha Hadids Stationen der Hungerburgbahn (von ihr stammt auch das ikonische Design der Bergisel-Schanze), Franz Baumanns Seilbahnstationen aus den 1920er-Jahren und gewagte Fingerzeige der weltberühmten Landschaftsgestalter Snøhetta auf dem Nordkette Perspektivenweg. Oben angekommen, warten nicht nur großartige Weitblicke und der Einstieg in den Naturpark Karwendel, sondern je nach Jahreszeit auch Klettersteige, Wanderwege und im Winter natürlich die Skipisten.
TIPP: Der kurze Aufstieg zum Hafelekar-Gipfel, auch Top of Innsbruck genannt, belohnt mit atemberaubenden 360-Grad-Panoramen.
BEWEGUNG TRIFFT NATUR
Innsbrucks Umgebung ist ein Eldorado für Outdoor-Enthusiasten, schließlich liegt der Naturpark Karwendel, Österreichs größter Naturpark, ganz nah. Dessen weitläufiges Wegenetz ist ein Paradies für Wanderbegeisterte. So lockt etwa der anspruchsvolle Goetheweg mit hochalpinen Panoramen. Ruhesuchende wählen gerne das Sellraintal samt seinen idyllischen Seitentälern, dessen kleine Ortschaften Sellrain, Gries und St. Sigmund sich dank ihres ursprünglichen Ortsbildes und archaischen Charakters offiziell „Bergsteigerdörfer“ nennen dürfen. Beim Wandern zu urigen Melkalmen wie der Almindalm oder der Seigisalm kommt man wunderbar ins seelische Gleichgewicht. Wer allerdings beim Bergwandern und Klettern ambitionierter ist, kann von hier aus auch hervorragend die umliegenden Gipfel angreifen.
Radwanderer und Mountainbiker finden rund um die Alpenmetropole Strecken für jeden Geschmack – es muss ja nicht gleich der 520 Kilometer lange Innradweg sein. Genussvoller sind da die Cycle-&-Savour-Touren auf dem Mieminger Plateau, die Schmankerl bei lokalen Produzenten aneinanderreihen. Bestimmt aufregender sind die unzähligen Mountainbikerouten in allen Schwierigkeitsgraden oder der Bikepark Innsbruck als Spielwiese für Downhillcracks (familienfreundliche Abfahrten gibt es auch). Für einen ähnlichen Adrenalinkick sorgen die rasanten Mountain-Carts auf der Muttereralm oder Up Stream Surfing auf den wilden Wellen des Inns mitten in der Stadt.
Für Golfer ist die Vielfalt ebenfalls überaus verlockend, mit nahen Plätzen. Zu den Leading Golf Courses of Austria zählt der Golf Park Mieminger Plateau auf ca. 1.000 Metern Höhe. Dieses von Keith Preston gestaltete Naturjuwel verspricht ein herausragend sportliches Golfvergnügen.
TIPP: Wer es mal vollends entspannt angehen und doch der Natur ganz nahe sein will, besucht Luchs, Bär und Sperlingskauz, Steinadler, Steinbock und Fischotter im Alpenzoo Innsbruck. In keinem Wildgehege weltweit findet man eine vergleichbar umfangreiche Sammlung von Wildtieren des alpinen Raums.
KULTUR TRIFFT KULINARIK
Zurück in der Stadt fällt auf, wie kurz hier die Wege sind: Viele Sehenswürdigkeiten liegen in Gehweite voneinander entfernt und lassen sich auf den sogenannten Walks to Explore flanierend erkunden. Beim Stadtwandern nicht versäumen sollte man das Monument mit den sogenannten schwarzen Mandern in der Hofkirche mitten in der Altstadt. Hier stehen 28 überlebensgroße Bronzestatuen rund um das leere Grabmal Kaiser Maximilians I., wahrlich eines der beeindruckendsten Kaisergräber Europas. Gleich nebenan grüßt ähnlich erhaben die Kaiserliche Hofburg, die neben Schloss Schönbrunn und der Wiener Hofburg zu den drei bedeutendsten Kulturbauten Österreichs zählt.
Ein paar Minuten Richtung Süden thront das Schloss Ambras auf einer Anhöhe, steingewordener Liebesbeweis des Habsburger Erzherzogs Ferdinand II., der es für seine bürgerliche Frau Philippine Welser in ein Renaissance-Meisterwerk verwandeln ließ. Staunen ohne Ende ist in der Kunst- und Wunderkammer angesagt, in der sich Kurioses und Wertvolles die Hand reichen. Einen fast ebenso staunenswert immersiven Einblick in Kunst und Geschichte zeigt das Museum Tirol Panorama mit seinem großformatigen Rundgemälde des Tiroler Freiheitskampfes. Für zeitgenössische Kunst ist wiederum das Taxispalais Kunsthalle Tirol die erste Adresse. Und last, but not
least sind auch die Swarovski Kristallwelten in Wattens ein faszinierender Ort, um beeindruckende Werke aus Kristall zu erleben.
Dass Kultur auch kulinarisch überliefert wird, mag eine Binse sein, in der Region Innsbruck aber eine besonders köstliche. Zu den traditionellen Tiroler Spezialitäten zählen natürlich Knödel in allen Variationen, seien es würzige Speck- und Kaspressknödel oder süße Marillen- und Zwetschgenknödel. Bei Fleischgerichten wiederum gehört das Tiroler Gröstl seit jeher zu den regionalen Favoriten. Forellen oder Saiblinge aus heimischen Gewässern dürfen auch auf keiner Speisekarte fehlen. Wer direkt an der Quelle genießen möchte, fährt zum haubendekorierten Schwarzfischer in Stams, der sich als Restaurant auf frischen Fisch aus eigener Zucht spezialisiert hat und wo Holzkohlenkünstler Fabio Birlmair mit Kreativem wie cremiger Steckerlfischsuppe zu überzeugen weiß. Und gleichzeitig macht das Areal als Anglerzentrum viel Freude. Im Herzen Innsbrucks wiederum hat Claudia Kogler mit ihrem Küchenchef Lukas Olbrich im Restaurant Wilderin regionale Kochkultur auf ein ganz neues (2-Hauben-)Niveau gehoben. So gut kann unprätentiöse, aber durch und durch liebevolle Alpenküche schmecken.
Tipp: Wer Küchentradition als kulinarisches und atmosphärisches Gesamtkunstwerk erleben möchte, sollte in der Region auf die Mitglieder des Vereins Tiroler Wirtshauskultur achten, darunter etwa der erstmals 1313 erwähnte Isserwirt in Lans mit seinen wunderschönen Stuben oder das Weisse Rössl in der Innsbrucker Altstadt. Sie sind mit dem grünen Wirtshausschild-Symbol geschmückt.
