SIM SALALAH BIM – Reisebericht Südoman

Die Straße von Salalah zum Fazayah Beach führt zunächst vorbei an der Kulisse der Stadt: an schlichten Wohn- und Geschäftshäusern, Wäschereien, Stoffgeschäften und Maßschneidern, Shops für Süßwaren, zahlreichen Frisören, Tankstellen sowie kleinen Kaffeebars und Imbissen. Dazwischen am Straßenrand Plantagen und Marktstände, Letztere prall gefüllt mit Kokosnüssen, Granatäpfeln, Melonen, Kürbissen, Cherimoyas und Süßkartoffeln. Hier kaufen die Einheimischen in den kühleren Abendstunden ihr Obst und Gemüse – treffen sich auf einen Plausch und einen Karak, den landestypischen Schwarztee mit gesüßter Kondensmilch, Kardamom und Safran. Es folgen der Hafen und dann: weites, karges Land – links gesäumt vom Arabischen Meer, rechts vom imposanten Gebirgsmassiv Dschabal al-Qamar –, durch das sich lediglich die Fernstraße Route 47 schlängelt. Führe man sie immer weiter gen Westen, wäre man nach rund 200 Kilometern an der Grenze zum Jemen. Wir verlassen sie nach rund einer Stunde, um über eine kleine Schotterstraße hinab zum Fazayah Beach zu gelangen. Warum der Strand der erste Ort ist, an den unsere beiden Fahrer Aqeel und Alawi uns auf der Reise durch die Region Dhofar bringen? Um anzukommen und die Faszination des Oman zu spüren. Denn Szenerie und Ausblick sind schlichtweg magisch. Das blaue Wasser, die weiße Gischt, der feine Sandstrand, kein Mensch weit und breit, dazu die Berge im Rücken. Und – es könnte kitschiger kaum sein: Dromedare, die gemächlich in einer Karawane in Richtung Wasser spazieren. Im Laufe unserer mehrtägigen Reise werden wir viele dieser beeindruckenden Wüstentiere erleben, nicht selten mitten auf der Straße stehend. Der Impuls des Fotografierens wird nachlassen, doch nicht das Staunen über die Erhabenheit, die sie ausstrahlen.

Salalah ist das südliche Zentrum des Landes. Mit rund 300.000 Einwohnern ist die Stadt nach der Metropolregion Maskat die zweitgrößte des Oman und die größte der Provinz Dhofar. Als Reisender lässt sich hier die Vielfalt des Sultanats mit seiner rund 5.000 Jahre alten Geschichte und abwechslungsreichen Naturlandschaft besonders gut und annehmlich erleben. In den heißen Sommermonaten sind es vor allem die Omanis selbst, die Urlaub in der Küstenregion machen. Sie lieben den leichten, kühlenden Nieselregen, der hier während der Monsunzeit (Khareef) die Landschaft überzieht und verbringen ihre Freizeit in den „Flussoasen“ (Wadis) oder am Strand. Von Oktober bis April, wenn das Klima trocken ist und die Temperaturen mit 25 bis 30 Grad angenehm mild sind, kommen vorwiegend westliche Touristen. Mit seiner neutralen und vermittelnden Haltung in jeglichen Nah- und Mittelost-Konflikten ist das drittgrößte Land auf der Arabischen Halbinsel ruhig und sicher und kann sowohl mittels geführter Touren als auch individuell im Mietwagen bereist werden. Eine gute Infrastruktur ist vorhanden, die Straßen sind ausgebaut und nachts beleuchtet. Und das Wichtigste: Die – nicht zuletzt aufgrund ihrer jahrhundertealten wichtigen Rolle im Welthandel – sehr gastfreundlichen Omanis empfangen Besucher mit offenen Armen.

Ausgangspunkt für die ersten Tage unserer Reise ist das Al Baleed Resort by Anantara in Salalah, ein wunderschönes 5-Sterne-Refugium in direkter Ozeanlage, das mit seinen luxuriösen Zimmern und Suiten, dem geschmackvollen arabischorientalischen Design sowie großer Gastfreundschaft und feiner Kulinarik aufwartet. Von hier aus starten wir morgens. Zu einer Besichtigung der prächtigen Sultan Qaboos Moschee im Zentrum der Stadt, die mit ihrem Platz für über 3.000 Gläubige eine beeindruckende Imposanz ausstrahlt. Oder in den Souk Al-Husn, den letzten traditionellen Markt Salalahs, auf dem man sich von der Vielfalt der Weihrauchprodukte überzeugen kann, für die die Region Dhofar steht. „We are frankincense land“ – das Weihrauchland also –, hören wir überall voller Stolz. Und das nicht ohne Grund: Der Süden des Oman gilt vor allem mit seinem grünen Weihrauch als Produzent und Exporteur des besten Weihrauchs der Welt. Überzeugen kann man sich davon im Museum of the Land of Frankincense oder auch in der UNESCO-Welterbestätte Wadi Dawkah in den Bergen etwa eine Stunde nördlich Salalahs, wo im Frühling aus Tausenden von Weihrauchbäumen große Mengen des kostbaren Harzes geerntet werden. Wer von hier aus weiter ins Landesinnere fährt, erlebt ein weiteres faszinierendes Schauspiel der Natur: die unendliche Weite der Rub al-Khali (engl. Empty Quarter), der größten zusammenhängenden Sandwüste der Welt. Sie bedeckt Teile von Saudi-Arabien, des Jemen, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Oman. Wir erleben hier den Sonnenuntergang, in jedem Fall ein Höhepunkt der Reise. Die Dimension, die Stille und der Zauber der unberührten Wüstenlandschaft im schwindenden Sonnenlicht lassen sich nur schwer in Worte fassen.

Die letzten Tage verbringen wir circa 50 Kilometer östlich von Salalah im Alila Hinu Bay Resort, einer weitläufigen, harmonisch in die Landschaft konzipierten Hotelanlage am Meer, die großen Wert auf die Verschmelzung mit der Natur legt. Und so begeistern die Bungalows neben ihrem Komfort vor allem mit ihren Ausblicken. Jeder hat eine eigene Terrasse, manche haben auch einen eigenen Pool. Das Alila Resort bietet sich als krönender Abschluss eines Aufenthaltes in der Region an. Zum Wirken-Lassen der Eindrücke, zum Entspannen und für kleinere Trips in die nahe Umgebung: ins Museum Taqah Castle, das einen Einblick in die Geschichte des Oman gibt, oder nach Mirbat, um dort eines der lokalen Restaurants zu testen. Denn so gut die meist asiatisch inspirierten Küchen der Hotelresorts auch sind, ohne eine Fatera (Fladenbrot-Spezialität mit Käse und Honig oder Ei), die verschiedenartig gewürzten Reisvarianten, Kamelfleisch oder ein Shuwa (mariniertes Lamm oder Ziege, gegart im unterirdischen Erdofen) gegessen zu haben, hat man den Oman nicht erlebt.

Bildrechte: Jeanette Bojer (Wadi Dawkah, Souk Al-Husn, Sultan Qaboos Moschee); istockphoto.com/panso (Wüste), Shakeel Sha (Wadi Darbat)