Jnane Rumi
Gert-Jan van den Bergh ist ein besonderer Mann, und ein besonders begabter obendrein. Der Niederländer und Spiritus Rector des marokkanischen Traumhotels Jnane Rumi absolvierte erst ein Studium zum Konzertpianisten an der École Normale de Musique de Paris und erweiterte anschließend sein Spektrum mit einem Jura-Ab- schluss an der Columbia Law School in New York. Mit seiner Kanzlei Bergh Stoop & Sanders in Amsterdam bearbeitet er immer wieder einige der spektakulärsten Kunstrechtsfälle weltweit. Als Gert-Jan und seine Frau Corinne auf der Suche nach einem Zweitwohnsitz waren, wurden sie im exklusiven Viertel Triangle d’Or inmitten der über 1.000-jährigen Oase La Palmeraie fündig, dem Palm Springs von Marrakesch. Dort, wo sich hinter hohen Mauern und prächtigen Torbögen einige der prestigeträchtigsten Anwesen Nordafrikas verstecken, wo einst die Mutter des marokkanischen Königs wohnte und wo Paloma Picasso noch heute ab und an residiert.
Mehr als zwanzig Immobilien hatte das Paar schon besichtigt, bevor es eines der fünf ältesten Häuser der Palmeraie entdeckte, eine Villa, deren Entwurf vom berühmten tunesischen Architekten Charles Boccara stammt. Doch die Liebe auf den ersten Blick galt vor allem dem Garten mit seinen jahrhundertealten Palmen, Feigen-, Oliven- und Pistazienbäumen, in dem es in sanften Brisen nach Orangen, Rosmarin und Lavendel duftet. Und wo man heute im sanften Morgenlicht gelegentlich zwischen Vogelgezwitscher den Esel Zwina hört, das Maskottchen des Hauses, und glücklichen Schafen, Ziegen und Dromedaren begegnet.
Die natürliche Pracht des Ortes drängte die van den Berghs dazu, hier nicht nur als Privatiers, sondern erstmals als Hoteliers zu leben: In siebenjähriger Renovierungszeit entstand Jnane Rumi, das die arabischen Wörter für Garten und römisch verbindet und so den marokkanischen Wurzeln einen europäischen Akzent verleiht. Gert-Jan beauftragte den Architekten und Boccara-Schüler Nicolas Bode und den belgischen Kreativen Jacques van Nieuwerburgh damit, das ursprüngliche Anwesen mit vier Schlafzimmern aufzustocken und dezent zu erweitern, und die beiden machten daraus ein Privathotel mit insgesamt zwölf individuellen Refugien samt eigener Bäder, Terrassen oder Balkone. Zu den sieben Suiten im Hauptgebäude gesellen sich vier schnuckelige Gartenpavillons und ein separates Gästehaus mit eigenem Garten und Pool für all jene, denen die nonchalante Stimmung am grandiosen Gartenpool immer noch nicht privat genug ist. Lieblingszimmer? Schwierig! Vielleicht die Kimya-Suite mit ihrer 27-qm-Terrasse und einem Badezimmer mit sagenhaften neun Metern Deckenhöhe oder der Pavillon Majnun, der seine Gäste in das berühmte „Bleu Majorelle“ hüllt?
Eine Atmosphäre, als gingen eine Privatvilla, ein Boutiquehotel und eine Kunstgalerie Hand in Hand.
Dazu beherbergt das Jnane Rumi ein Hammam und überaus großzügige Gemeinschaftsbereiche, die wie das gesamte Interieur von den Gastgebern gemeinsam mit der Designerin Mina Abouzahra gestaltet wurden. Es heißt, dass dafür sogar die privaten Lagerräume von Mustapha Blaoui, legendär-temperamentvoller Patron des Einrichtungstraums Maison Blaoui in der Medina von Marrakesch, geplündert wurden. Entstanden ist eine Collage aus lokaler Handwerkskunst, Vintage-Objekten, Designerstücken, kräftigen Textilien und marokkanischen Zitaten wie Bejmat-Fliesen, die in ihrer parkettähnlichen Struktur ebenso zart wie rustikal wirken, oder Wänden, die mit glänzendem Tadelakt verputzt wurden, dem traditionellen marokkanischen Kalkputz, der am Ende von Hand poliert wird. Vervollkommnet wird dieses auf Schritt und Tritt staunenswerte Wohnerlebnis aber erst von der hauseigenen Sammlung nordafrikanischer und europäischer Kunst, kuratiert vom Maler und Bildhauer Samy Snoussi, der selbst ein unvergessliches goldfarbenes Fresko im Teesalon beisteuerte. Überhaupt werden die überall im Haus (auch in den Suiten) verteilten Gemälde, Fotografien und Objekte auf eine so angenehm zurückhaltende Weise fern jeglicher Statement-Kunst präsentiert, dass die Räume nicht dekoriert, sondern im besten Sinne eingerichtet wirken – und auf ätherische Weise belebend. Dazu passt auch die schnörkellose Kulinarik, die die Niederländerin Karin Gaasterland, die vorher für Vanessa Branson im Restaurant El Fenn tätig war, gemeinsam mit Chefkoch Moula Erraissi präsentiert. Bereits das Frühstück, das gerne draußen unter Palmen am Pool eingenommen werden kann, begeistert mit gekonnt gewürzten marokkanischen Eiern, buttrigen Msemmen-Pfannkuchen, lokalem Käse und Joghurt, der mit Mandeln, Honig und getrockneten Früchten gesüßt wird. Dazu ein erster Minztee, frische grüne Säfte oder ein Glas Champagner? In der Morgensonne unter Palmen gestaltet sich der Übergang in den Tag auf zauberhafte Weise fließend. Und wer das Jnane Rumi tatsächlich für einen Ausflug verlassen möchte, für den steht ein Concierge-Service bereit, der die Türen zu den exklusivsten Galerien Marrakeschs öffnet.
Bildrechte: David Dumon (Esszimmer, Zimmer mit Sofa)
