SPIN Bar
Die Anfang Dezember als Ergänzung zum Club „Goldener Reiter” im Glockenbachviertel eröffnete SPIN Bar hat sich schnell zum Dreh- und Angelpunkt der Münchner Listening-Bar-Szene entwickelt. Auch wenn es sich eher um eine japanisch inspirierte Hi-Fi-Bar handelt, wie uns Miteigentümer Jens Milkowski im Interview erzählt.
Käfer Zeitung: Wie klingt ein Abend in der SPIN Bar und wie prägt die Musik die Atmosphäre?
Jens Milkowski: Wir verstehen uns eher als Hi-Fi-Bar denn als spleenigen Audiotempel. Es geht nicht um ein übertrieben audiophiles Setting, sondern um eine fein abgestimmte Stereoanlage und darum, Musik bewusst erlebbar zu machen. Gespielt wird alles, was gut ist: japanischer Jazz, Soul, Pop, obskure B-Seiten oder auch Whitney Houston. Die Tracks werden nicht gemixt, sondern nacheinander aufgelegt, oft von Freunden mit großen Plattensammlungen oder von DJs mit eigenem Touch. Mittwochs werden ganze Alben am Stück gespielt. Das schafft eine sehr freie und unprätentiöse Stimmung. Niemand muss hier irgendwen zum Tanzen bringen und trotzdem passiert es manchmal ganz von selbst. Es gibt auch Gäste, die alleine kommen, um sich in die Musik zu vertiefen.
Was macht die SPIN Bar gastronomisch aus?
Sie ist stark von der japanischen Barkultur inspiriert. Uns gefällt diese lässige Art des Trinkens: gute Zutaten, klare Drinks, kein großes Tamtam. Deshalb stehen bei uns etwa Highballs mit japanischem Whisky auf der Karte, die in Japan fast so selbstverständlich getrunken werden wie hier ein Bier, oder ein Umeshu Soda mit Ume-Pflaumenlikör. Durch meinen in Japan lebenden Bruder und diverse Reisen habe ich erlebt, mit welcher Qualität und Sorgfalt dort Dinge gemacht werden. Genau dieses Gefühl wollten wir nach München holen – in einer hochwertigen, aber entspannten Bar.
Warum passt Euer Konzept gerade jetzt so gut in die Zeit?
Weil viele Menschen heute anders ausgehen wollen als noch vor ein paar Jahren: früher starten, weniger Exzess, weniger Lautstärke, kein Hangover am Folgetag, dafür mehr Atmosphäre und bewusster genossene Abende. Die Hi-Fi-Bar ist für uns deshalb kein Gegenentwurf zum Club, sondern seine zeitgemäße Ergänzung. Man kann hier sitzen, reden, trinken und wirklich zuhören.
Danke für das Gespräch.
