Rolls-Royce Phantom Centenary Private Collection
Rolls-Royce Motor Cars Showroom
Oberdiller Straße 29
82065 Baierbrunn
Tel. 089/45224180
Euro.
Nähern wir uns der Preziose zuerst von außen, wo sie bewusst zurückhaltend gestaltet ist. Mit ihrer eleganten Zwei-Farben-Lackierung in Schwarz und Arctic White erinnert die Limited Edition an die fließende Silhouette der Phantoms der 1930er-Jahre und an den Hollywood-Glamour und Film-star-Flair der Schwarz-Weiß-Film-Ära. Wie immer bei Rolls-Royce Motor Cars lohnt sich ein zweiter Blick: Emily, die ikonische Spirit-of-Ecstasy-Kühlerfigur, besteht hier aus massivem 18-karätigem Gold, überzogen von einer Goldschicht in 24 Karat. Alle Rolls-Royce-Embleme am Centenary sind erstmals aus Emaille in Arctic White mit Linierungen in 24 Karat Gold gefertigt. Und wer so glücklich ist, die Motorhaube öffnen zu dürfen, findet darunter nicht nur den flüsterleisen 6,75-Liter-V12, sondern auch eine Motorabdeckung in Arctic White mit schimmernder Goldlinierung. Eine subtilere Sprache sprechen da die Scheibenräder, in die jeweils 25 Linien graviert sind. Diese Zahl repräsentiert nicht nur die wenigen Exemplare der Jubiläumsedition, alle vier Räder zusammen erinnern mit ihren 100 Linien auch an den Anlass der Fertigung dieser Meisterstücke.
Im Inneren fühlt man sich dann wie in Cinderellas Traumschloss – wohin man blickt, ein Füllhorn an Reminiszenzen. Phil Fabre de la Grange, Leiter der Rolls-Royce-Bespoke-Abteilung, nennt den Centenary stolz ein Märchenbuch aus 100 Jahren Phantom-Geschichte. Entsprechend ist das gesamte Interieur eine atemberaubende Collage bedeutender Ereignisse, Personen, Gebäude, Orte, Landschaften, Routen und prägnanter Symbole. Auf diese Weise entstand der detailreichste und aufwendigste Innenraum, der jemals für einen Rolls-Royce erschaffen wurde. In Zusammenarbeit mit Historikern fertigten die Bespoke-Designer Hunderte handgezeichneter Skizzen an, von denen die besten ausgewählt, digitalisiert und überall im Fahrzeug angebracht wurden, sei es per Farbe, Faden oder Laser. Allein für die Holzbearbeitung im Jubiläumsmodell entwickelte das Bespoke-Team bahnbrechende neue Techniken der Lasergravur, des 3D-Farbauftrags und der 3D-Intarsientechnik in bisher unerreichter Präzision. Und fünf erfahrene Kunsthandwerker aus dem Interior Surface Centre von Rolls-Royce Motor Cars absolvierten eigens einen Spezialkurs am renommierten West Dean College für Handwerkskunst, um ihr Handling der nur 100 Nanometer feinen Blattgoldquadrate für die Vergoldung zu perfektionieren. Schon beim Öffnen der Türen fällt die Schönheit der Türinnenverkleidungen aus feinstem Blackwood auf. Die Haptik ist dabei ebenso spektakulär wie die Optik. Doch schnell wird die Aufmerksamkeit auf den Rücksitz des Centenary gelenkt, der wie ein Gobelin den Blick fesselt. In den Gründungsjahren von Rolls-Royce war es üblich, die vom Chauffeur genutzte Vorderbank aus robustem Leder zu fertigen und den hinteren Innenraum aus luxuriösen Stoffen. Entsprechend gestalteten die Designer die Vordersitze in weißem Leder mit schwarzer skizzenhafter Grafik und die Rücksitze als Gemälde aus Stoff mit einem komplexen Druckmuster, das mit weißen und goldenen Stickereien veredelt wurde. Unter anderem sind auf diesem Stoffkunstwerk die ersten sieben Phantom-Baureihen zu erkennen, Rolls- Royces ursprünglicher Ausstellungsraum in der Conduit Street in London und das heutige Zuhause in Goodwood. Blickt man nach oben, zitiert der als Starlight Headliner bekannte Fahrzeughimmel den berühmten Maulbeerbaum, unter dem Sir Henry Royce Sommertreffen in seinem Haus in West Wittering veranstaltete.
Die Anspielungen auf den Vordersitzen zeigen unter anderem Roger Rabbit, den geheimen Projektnamen des Phantoms der siebten Generation vor dessen Markteinführung 2003, also des ersten Modells der BMW-Ära. Auch ein geflügelter Phantom ist zu sehen, denn Seagull war der Codename des Phantom-I-Prototyps von 1923. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt im Innenraum eine niedliche Honigbiene, von denen 250.000 in Bienenstöcken auf dem Gelände des Stammsitzes in Goodwood gehalten werden. Letztlich ist die Betrachtung dieses Interieurs wie eine beschwingte Easter-Egg-Suche, denn nicht alle Hinweise entschlüsselten die Rolls-Royce-Designer vorab, manche Bedeutung wurde nur den 25 Eigentümern auf Nachfrage enthüllt. So ist auch ein dezentes Bärenmotiv eingearbeitet, von dem vermutet wird, es wäre eine Reminiszenz an Karl Lagerfeld. Der legendäre Modeschöpfer und Stoffbärenliebhaber teilte seine Rolls-Leidenschaft mit anderen Großkünstlern wie Dalí, Picasso oder auch Andy Warhol und besaß zu Lebzeiten zeitweise drei Rolls-Royce gleichzeitig. Auf einen eigenen Centenary hätte er bestimmt auch bestanden.
