INEOS Grenadier

Michael Schmidt Motor
Industriestraße 3
82110 Germering
Tel. 089/894153470

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Sir Jim Ratcliffe ist ein Mann, der weiß, wie man sich seine Träume erfüllt. Der Multimilliardär gründete einst den Chemieriesen Ineos mit über 26.000 Mitarbeitern an rund 200 Standorten weltweit und gilt schon lange als einer der reichsten Briten – und als Sport- und Outdoor-Enthusiast. Ineos gehört heute unter anderem ein Weltklasse-Radsportteam, mehrere Fußballklubs und das Segelteam Ineos Britannia, das im letztjährigen America’s Cup erst im Finale scheiterte.

Dass Scheitern eigentlich nicht zu Ratcliffes Agenda gehört, zeigt die Geschichte seines Ineos Grenadier, eines Offroad-Automobils alter Schule, dem der heute 73-Jährige in nur fünf Jahren zur Serienreife verhalf. Als am 29. Januar 2016 der letzte klassische Land Rover Defender vom Band lief, wuchs in Ratcliffe der Groll über den Verlust einer britischen Ikone, die aus seiner Sicht keiner der gängigen Wettbewerber ersetzen konnte. Also skizzierte er 2017 in einem Londoner Pub sein Ideal eines waschechten Geländewagens, der zwischen Islands Geysiren ebenso zu Hause war wie in der Kalahari, und sich auf den Straßen Dubais oder Münchens gleichermaßen wohlfühlen sollte. Der Pub war eine ehemalige Offiziersmesse und hieß Grenadier, die Geschichte nahm ihren Lauf und Ineos wurde zum Automobilproduzenten. Für die Entwicklungsarbeit holte sich sein Team die österreichischen Experten von Magna Steyr zur Seite, in deren Hallen seit 1979 die Mercedes G-Klasse vom Band läuft. Nach fast zwei Millionen Testkilometern mit ersten Prototypen, nicht wenige davon absolvierte Ratcliffe selbst, wurde klar: Der Ineos Grenadier wird ein lupenreiner Europäer.

Das absolut offroadtaugliche Fahrwerk wurde von Magna entworfen, mit klassischem Leiterrahmen, progressiv wirkenden Schraubenfedern des deutschen Branchenführers Eibach und Fünflenker-Starrachsen des italienischen Spezialisten Carraro. Die Kraft für den permanenten Allradantrieb liefern die beiden legendären 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbomotoren von BMW, wahlweise als Benziner mit 286 PS und 450 Nm oder als Diesel mit 249 PS und 550 Nm. Als Getriebe kommt die bewährte 8-Gang-Automatik von ZF zum Einsatz, die für den Einsatzzweck verstärkt und neu kalibriert wurde. Und das Bremssystem liefert die italienische Edelschmiede Brembo. Gleich neben dem BMW-vertrauten Schalthebel lässt sich mit einem eigenen Knauf und etwas Nachdruck das zweistufige Offroad-Verteilergetriebe bedienen und das Mitteldifferenzial scharfstellen, optional sind an Vorder- und Hinterachse elektronisch zuschaltbare Sperren verfügbar. Ein erstklassiges Arbeitstier für Förster, Landwirte, Jäger, Angler und Abenteurer aller Art: Mit einer Watttiefe von 800 Millimetern und einem dank kurzer Überhänge großzügigen Böschungswinkel von über 35 Grad bewältigt der Grenadier Steigungen und Gefälle auch bei heftigen Verschränkungen und sehr tiefen Böden nahezu mühelos, ganz so, wie Ratcliffe sich das gewünscht hatte. Und das Glück des Tüchtigen hatte er auch: Als der Prototyp fertig war, meldete sich Daimler-Boss Ola Källenius bei dem britischen Visionär (Ineos hält ein Drittel der Anteile des Mercedes-AMG-F1-Teams) und bot ihm das Daimler-Werk im französischen Hambach nahe der deutschen Grenze als Produktionsstandort an. Dort sollte die Smart-Fertigung auslaufen, wodurch sich Ratcliffe den jahrelangen Bau eines eigenen Werks ersparte.

Aber ist das, was nun seit Herbst 2022 in Hambach vom Band läuft, eine Schönheit? Geschmackssache! In erster Linie ist dieses sensationell durchdachte Fahrzeug ungemein praktisch: Das Box-Design optimiert das Platzangebot innen, bei 2.000 Litern Ladevolumen geht sogar eine Euro-Palette rein. 10- und 25-Ampere-Anschlüsse am Dach ermöglichen das Anbringen von Lichtleisten, Blaulicht und Suchscheinwerfern. Und Befestigungsschienen an den Türen taugen zur Verankerung von Zelten, Hängematten und Campingtischen. Die Dachlast beträgt satte 450 Kilo, allein 350 Kilo trägt die Anhängerkupp- lung (Ratcliffe wollte unbedingt ein Motorratsamt Träger kutschieren können), dazu kommen 3,5 Tonnen Anhängelast und auf Wunsch eine
in der vorderen Stoßstange versteckte Winde mit einer Zuglast von 5,5 Tonnen.

Den Grenadier gibt es heute als Utility Wagon mit fensterlosem Seitenteil, als familiären Station Wagon und als Pickup „Quartermaster“. Wem die Namen der beiden Ausstattungsvarianten „Trialmaster“ (hochgelegte Abgasanlage und komplette Offroad-Ausstattung außer der Winde) und „Fieldmaster“ (schick und komfortabel mit Lederausstattung im Innenraum) bekannt vorkommen: Ja, die Lifestyle-Marke Belstaff gehört seit 2022 auch zu Ineos. Im Innenraum sieht der Grenadier auf abenteuerlich-verspielte Weise wie ein Flugzeug aus: Das Schalterpanel der Offroad-Funktionen im Dach, darunter die Mittelkonsole mit zentralem Kompass und darüber ein großes Display für Apple CarPlay oder Android Auto. Die Recaro-Sitze sind wirklich erstklassig, und wer mag, kann sich ein Premium-Soundsystem ordern und trotzdem bei Bedarf den Innenraum auskärchern, die Abflussöffnungen wären vorhanden. Zum Modelljahr 2026 bekommt der Ineos die präzisere Lenkung aus dem BMW X3, die das bisherige Kugel-Umlauf-System ersetzt. Auch die Klimatisierung soll optimiert werden, es wird also komfortabler. Übrigens: Den Pub im noblen Belgravia, der diesem liebenswerten Exoten den Namen gibt, hat Jim Ratcliffe mittlerweile auch gekauft.

Bildrechte: Jim Ratcliffe, Chris Riefenberg