Der Bikini

Dauerausstellung: BikiniARTmuseum
Buchäckerring 42
74906 Bad Rappenau
Tel. 07066/9173700

www.bikiniartmuseum.com

Temporäre Ausstellung:
SPLASH im
Design Museum London
bis 17. August 2025

224-238 Kensington High Street
GB-London W8 6AG
Tel. 0044/20/38625937

www.designmuseum.org

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Mikrokini, Tankini und Mermaidcore. Die Geschichte des Bikini hat so viele Facetten wie der Strand Sand – und eine unterhaltsame Story.

Es begann mit einem Knall – und führte zu einer Revolution. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte großer Materialmangel und die USA forderten ihre Bürger zu Sparsamkeit auf. 1946 zündeten sie auf dem Bikini-Atoll die erste Atombombe. Und die Franzosen, ebenfalls mit Materialknappheit und dem Big Bang konfrontiert, erfanden einen explosiven Zweiteiler.

Mit dem Wortspiel „Le Bikini – la première bombe an-atomique“ kündigte der Ingenieur Louis Réard die maximale Textilreduktion an, die er am 5. Juli 1946 auf einer Pariser Poolparty präsentierte. Zwei Monate zuvor hatte ein anderer Franzose namens Jacques Heim einen zweiteiligen Badeanzug mit Namen „Atome“ in seinem Strandgeschäft in Cannes vorgestellt. Er mietete Flugzeuge, die entlang der Côte d’Azur mit Schriftbändern für „den kleinsten Badeanzug der Welt“ warben. Réard konterte mit eigenen Himmelsschreibern, die den Bikini als „kleiner als der kleinste Badeanzug der Welt“ auslobten. Die Luftschlacht über Frankreich ging zu seinen Gunsten aus, Heim und sein Atome sind heute vergessen. Der Pariser Big Bang ist heute an einer Schaufensterpuppe im Design Museum in London zu sehen. Und wirkt sehr viel weniger weltbewegend als damals. Er besteht aus rosafarbenen sackartigen Dreiecken, die mit Schlagzeilen bedruckt und einer Schnur zusammengebunden sind, und sieht ein bisschen so aus, als hätten Viertklässler sich an Project Runway versucht.

Der Bikini hatte klassische Vorlagen und viel Zeit, sich warmzulaufen. Schon vor 3.400 Jahren bildeten Griechen auf Urnen und Gemälden Sportlerinnen in zweiteiligen Kleidungsstücken ab. Ein aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammendes römisches Mosaik in der Villa Romana Del Casale auf Sizilien zeigt Sklavinnen, die in Bandeau-Tops und hochgeschnittenen Höschen über den Boden tanzen. Falls es jemals Gladiatorinnen gab, hätten sie vielleicht wie Raquel Welch in „One Million Years B.C.“ ausgesehen, minus deren Oberweite. Überhaupt gehörten Schauspielerinnen und Miss-Anwärterinnen im 20. Jahrhundert zu den erfolgreichsten Botschafterinnen. Bereits zur ersten Miss-World-Wahl 1951, die von der Schwedin Kiki Håkansson gewonnen wurde, trugen die Teilnehmerinnen das provokante Kleidungsstück. Einige Länder drohten mit dem Ausstieg aus dem Wettbewerb, der Papst wetterte dagegen und dennoch wurden in den folgenden Jahren Bikinis in Abendkleidform eingeführt. Als wahrscheinlich berühmtester aller Zeiten gilt der weiße, den Bond-Girl Ursula Andress in „Dr. No“ trug. Die Teilnehmer einer Umfrage des britischen TV-Senders Channel 4 kürten die Szene zum denkwürdigsten Bikini-Moment der Filmgeschichte. Auch der goldene Zweiteiler von Prinzessin Leia ist Millionen von Sci-Fi-Fans in bester Erinnerung. Nachdem das BikiniARTmuseum in Bad Rappenau ihn im letzten Jahr für 175.000 Euro ersteigerte, ist er aktuell dort zu bewundern.

Es gibt sogar eine Version für Männer. Als Borat 2006 den ironisch-hässlichen Mankini einführte, öffnete er ein Tor für Looks, die das Suffix -kini nutzen, um Sexfreies zu pushen. Etwa den Burkini, der eigentlich eine wassertaugliche Burka ist, oder den Facekini, mit dem sonnenscheue Chinesen am Strand flanieren. Stellen Sie sich eine Latexmaske aus dem Fetisch-Shop vor und Sie wissen, wie er aussieht. Auch gibt es den Tankini, einen Badeanzug, der ein Tanktop und ein Bikinihöschen kombiniert. Zu den originellsten Varianten zählen des Weiteren der Upside-Down-Bikini, dessen Oberteil falsch herum gebunden wird, der Underboob, der unten ein Stück Busen durchblitzen lässt, der Mermaidcore mit Meerjungfrau-Metallic-Schimmer und last, but not least der Microkini, der keiner Erklärung bedarf. Weniger wäre schwer.

Bildrechte: Brigitte Bardot (AURIMAGES, Längenkontrolle am Strand), Louis Réard (Model)