Pedro Almodóvar

Roche Bobois
Von-der-Tann-Str. 2
München
Tel. 089/273714700

www.roche-bobois.com

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Wenn Pedro Almodóvar über Räume spricht, dann nicht wie ein Architekt, der Pläne entwirft, sondern wie ein Erzähler, der Möbeln, Farben und Objekten eine eigene Seele verleiht. In „Chromática“, einem seiner jüngsten Projekte – einer spannenden Kooperation mit dem französischen Möbelhersteller Roche Bobois –, verdichten sich seine filmische Sprache und seine Leidenschaft für Farbe zu einer Möbelkollektion, die weniger Produktdesign als autobiografisches und künstlerisches Manifest ist.

Geboren im spanischen Calzada de Calatrava, inmitten der staubigen Weiten der La Mancha, zog Almodóvar als junger Mann mit dem brennenden Wunsch, Filme zu machen, in den frühen 1970er-Jahren nach Madrid. Die Filmschule war gerade von Franco geschlossen worden und so musste der heute 75-Jährige improvisieren: Tagsüber arbeitete er bei der Telefongesellschaft, abends drehte er Super-8-Filme, spielte Theater und schrieb für Underground-Magazine. Mit seinem Spielfilm-Debut „Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande“ (1980) begann dann eine Karriere, in deren Mittelpunkt eine cineastische Handschrift steht, bei der Räume und expressive Bilder ein zentraler Bestandteil des Narrativs sind.

Diese Bilder sind es, die nun den Weg in die reale Welt gefunden haben. Für die limitierte Chromática-Kollektion von Roche Bobois hat Almodóvar die visuelle DNA seiner Filme in Möbel, Stoffe, Farben und Formen übersetzt. So wurde der ikonische Entwurf des modularen „Mah Jong“-Lounge Chairs von Hans Hopfer aus dem Jahr 1971 mit exklusiven Stoffen bezogen, die Szenen aus Filmen wie „Volver – Zurückkehren“, „Fessle mich!“ oder „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ zitieren. Dazu kommen die farblich abgestimmten Couch- und Beistelltische aus der Pepa-Linie mit runden, weichen Formen sowie die Rondo-Sideboards mit Filmposter-Motiven. Ein weiterer Tisch, „Pedro“, zeigt ein Foto von Almodóvar selbst. Auch das legendäre „Bubble“-Sofa von Sacha Lakic wurde in vier neuen Farben aufgelegt, die direkt aus der Palette des Regisseurs stammen. Teppiche und Kissen zeigen grafische Elemente, unter anderem aus Eingangssequenzen seiner Werke. Chromática ist nicht einfach eine Hommage, sie ist ein eigenständiges gestalterisches Statement, das man sich nach Hause holen kann.

Doch was bedeutet „Zuhause“ für Pedro Almodóvar selbst? Sein Zuhause ist ein Ort, an dem sich Gemälde, Wandlampen, Beistelltische und Bücher zu einem gelebten Bühnenbild verdichten – mit Wänden in sattem Grün, tiefem Rot oder erdigem Senfgelb, das er „albero“ nennt und das an die Erde in spanischen Stierkampfarenen erinnert. „Früher wollte ich minimalistisch wohnen. Doch sobald ich anfing, Möbel zu kaufen, war das vorbei“, erklärt er. „Ich liebe die Fülle. Ich kaufe Möbel, weil ich sie sehen will. Es wäre sinnlos, sie in einem Depot zu lagern.“ Und so ist seine Madrider Wohnung eine Sammlung, nicht im musealen, sondern im liebevoll chaotischen Sinn. Direkt am Eingang steht beispielsweise ein Tisch von Jonathan Adler. Nicht weil dieser dort am besten wirkt, sondern weil dort eben Platz war. Möbelstücke aus Almodóvars Filmen tauchen ebenfalls auf, beiläufig und wie zufällig arrangiert. Schon als Jugendlicher träumte Almodóvar davon, in einem Möbelhaus zu leben. „Ich stellte mir vor, jede Nacht in einem anderen Bett zu schlafen.“ Später drehte er sogar einen Kurzfilm über ein Paar, das in einem Möbelgeschäft wohnt – ein verspieltes Echo dieser Jugendfantasie. In seinen Filmen sind Möbel stets mehr als nur Requisiten. Sie sind Mitspieler. „Ich arbeite wie ein Maler, aber mit Objekten. Das Setdesign beginnt mit der Farbe der Wände und des Bodens. Dann teste ich Stoffe, Möbel und Kostüme ausgiebig. Ich bestelle nicht nur ein Sofa, sondern gleich mehrere, um eine möglichst große Auswahl an Farben und Formen zu haben. Erst wenn alles stimmt, kommt der Schauspieler ins Bild.“ Dieser gestalterische Ansatz zieht sich durch sein gesamtes Werk. In „Zerrissene Umarmungen“ etwa wählte er ein rotes Sofa von Cassina, um die Popkultur der 1960er-Jahre zu symbolisieren. In „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ dominiert minimalistisches italienisches Design – rechteckig, mit klaren Linien und farbigen Akzenten. Die Zusammenarbeit mit Roche Bobois erscheint somit nicht als Ausflug in ein fremdes Terrain, sondern als konsequente Fortsetzung seiner Filmkunst. Sie ist Ausdruck desselben ästhetischen Denkens, das Almodóvars Filme, seine Räume und sein Leben prägt, eine logische Erweiterung seines privaten und künstlerischen Kosmos.

Bildrechte: Nico Bustos (Portrait)