SCHREMS + CO
Der Mut zu Ungewöhnlichem und Einzigartigem war schon immer ihr Erkennungszeichen. Nun hat die Münchner Schmuckdesignerin Renate Schrems ein weiteres Mal den Horizont ihrer Arbeit verschoben und eine neue Ära eingeläutet. Am Promenadeplatz 10, nur wenige Schritte vom Bayerischen Hof entfernt, wagt sie den zweiten Markenstart, an einem Ort, der ihr wohlbekannt ist. Anstelle von Sévigné prangt nun SCHREMS + CO an der grauen Fassade und weist auf einen tiefgreifenden Wechsel hin. Nach der Trennung vom ehemaligen Geschäftspartner setzt die Gründung des eigenen Labels frische Energie frei. Renate Schrems inszeniert innovative visuelle Erzählungen. Die Ergebnisse wirken gleichzeitig vertraut und aufregend neu.
Ihre handgefertigten Unikate leben von originellen, oft von Humor getragenen Ideen, von Opulenz im besten Sinn und von der Lust an intelligenter, mutiger Weiblichkeit. An der Hanauer Zeichenakademie zur Goldschmiedin ausgebildet, folgen die Entwürfe von Renate Schrems den Regeln einer ureigenen Ästhetik. Die geborene Wiesbadenerin kreiert skulpturalen Echtschmuck, der oft Bildnarrative erzählt. Sie umgeht Konventionen und verwendet fließende Muster oder Negativraum, um sofort erkennbare Stile zu schaffen. Designs wie ihre Madonna-Medaillen, Drachen- oder Krokodilformen, Herbstblatt- und Libellen-Ohrgehänge gelten schon lange als ikonisch. Es gibt filigrane Chandelier-Ohrringe und pastellfarbene Blütenbroschen, farbenprächtige Armspangen und karatschwere Powerringe. Als Inspirationsquellen dienen ihr seit jeher spontane Assoziationen, Farbsteine, zeitgenössische Kunst und die Natur, daran hat sich auch mit der Gründung von SCHREMS + CO nichts geändert. Der Unterschied besteht darin, dass Renate Schrems ihre kreative Vision jetzt uneingeschränkt umsetzen kann. Die kraftvolle Design-Linie präsentiert mit Diamanten besetzte Frösche, Schnecken, Drachen, Herzen und Schlangen. Manche der goldenen Tiere sehen exakt so aus, wie die Designerin sie im Garten ihres italienischen Feriendomizils erlebt, andere entspringen ihrer Fantasie und einem Hang zu japanischer Mythologie. Ausdrucksstarke Farben vorzuschlagen, empfindet sie nach wie vor als ihre ureigene Mission, zusätzlich beschäftigt sie sich verstärkt mit Halbedelsteinen und Abstraktionen. „Mich fasziniert die Maserung von Achaten. Die Formen meiner neuen Ohrhänger sind non-figurativ, doch bei ihrer Bänderung handelt es sich ebenfalls um natürliche Vorgaben.“ Aktuell öffnet sie die Schatzkammer der Art-déco-Formen und Materialinnovationen, etwa mit einem nachhaltig produzierten Elfenbeinersatz namens Elforyn, „der wunderbare Möglichkeiten bietet“. Die Stücke geben starke Statements ab, ohne protzig zu erscheinen, und sind so kunstvoll gefertigt, dass sie gleichzeitig als Augen- und Handschmeichler fungieren. Ihre Formen tanzen und die Vorliebe zu Unkonventionellem manifestiert sich klar und deutlich. „Ich betrachte es als meine Mission, keine Eintönigkeit im Alltag auftreten zu lassen“, sagt Renate Schrems. „Ich will Dinge zeigen, die ungewöhnlich sind, und meine Kundinnen davon überzeugen, dass ein Hauch von Exzentrik sie verschönert und ihnen guttut. Natürlich gehört Selbstbewusstsein dazu, starke Unikate zu tragen, doch manchmal muss man einfach etwas Neues ausprobieren, statt immer nur dem Mainstream zu vertrauen.“
Der Hang zur Exzentrik wurde der Tochter eines Dramaturgen und einer Schauspielerin in die Wiege gelegt. Ihre Familie ist seit jeher kreativ veranlagt und auch ihre Tochter ist Künstlerin. Sarah Illenberger montiert alltägliche Gegenstände zu unerwarteten, humorvollen Kompositionen und spielt mit so unter- schiedlichen Materialien wie Pflanzen, Keramik oder Zufallsfunden, um überraschende Effekte zu erzielen. Im rundum renovierten Geschäft am Promenadeplatz nutzt sie gelegentlich die Schaufenster der Mutter, um deren Schmuck und eigene Ideen zu kombinieren, im Innern sind ihre Vasen und Dosen ausgestellt. Renate Schrems nutzt den Store zusätzlich als Launch Pad für die Werke anderer Talente. Das „+ Co“ im Namen weist darauf hin. In der jungen Galerie sind Keramiken, Fotoarbeiten und Leinwände zu entdecken, im Prinzip alles, was die ewige Neugier der Firmenchefin weckt und sie begeistert. In Kürze werden hier die Werke eines Brüsseler Großneffen zu sehen sein. Anders als die meisten ihrer Designer-Kollegen braucht Renate Schrems weder einen besonderen Platz noch eine besondere Atmosphäre, um zu arbeiten. Eingebungen bringt sie mit Blei- und Filzstift oder Rapidograph auf Papier, egal, wann und wo. Die besten Ideen, so findet sie, sind meistens diejenigen, die ihr quasi im Vorbeigehen zufliegen. Dass die spontanen Geistesblitze später auf den Mikromillimeter genau Gestalt annehmen, ist dem kompromisslosen Perfektionismus zu verdanken, den sie hinter einem temperamentvollen Auftritt geschickt verbirgt. In Wahrheit kann sie sich an mikroskopisch kleinen Details aufarbeiten. „Wir schaffen Unikate, an denen alles stimmen muss. Das verhält sich so wie Couture zu Prêt-à-porter und ist jede Mühe wert, von Anfang bis Ende.“
Bildrechte: Matthias Ziegler (Portrait)
