Officine Buly 1803

Officine Buly 1803
Promenadeplatz 2
München.
Tel. 089/64962576

www.buly1803.com

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Parfümerie Buly 1803 in München

Die Vergangenheit ist en vogue. Vielleicht weil die Gegenwart verwirrend und die Zukunft unsicher sind. Ein Trend, der auch in der Parfüm- und Beautybranche seine Spuren hinterlässt. Altehrwürdige Firmen wie Santa Maria Novella, im Jahre 1221 in Florenz entstanden, oder das Parfümhaus Lubin, das 1798 inmitten der Wirren der Französischen Revolution das Licht der Welt erblickte, prosperieren. Und so werden immer mehr Marken, die sich auf eine lange Historie beziehen, neu aufgelegt, wobei sich bei genauerem Hinsehen der Bezug auf eine wie auch immer geartete Firmen- oder Familientradition oft als reichlich konstruiert oder womöglich gar weitgehend erfunden herausstellt.

Die Vergangenheit

Ganz anders liegt der Fall, wenn man sich in die Chronik der Officine Buly vertieft. Die Firma hat in der Tat eine schillernde und ruhmreiche Geschichte hinter sich, die seit der Wiedergeburt der Marke 2014 fortgeschrieben wird. 1803 eröffneten Claude Bully (mit Doppel-L!) und sein Sohn Jean-Vincent im Herzen der französischen Hauptstadt eine Parfümerie. Befeuert vom Erlass des Code Napoléon, der mit neuen Qualitätsbestimmungen die Grundlagen für eine moderne Kosmetik und Parfümerie schuf, entwickelten die beiden Entrepreneure auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Rezepturen für neuartige Cremes und Lotionen.

Der große Durchbruch gelang, als Jean-Vincent einen aromatisierten Essig, einen „Vinaigre de Toilette“, erfand und auf den Markt brachte. Das innovative Produkt, das als unangenehme Körpergerüche überdeckendes Parfüm, als Arznei und als Hautpflegeprodukt gleichermaßen verwendet wurde, entwickelte sich zum Bestseller und begründete den exzellenten Ruf der einstigen Officine Bully, die in den ersten drei Dekaden des 19. Jahrhunderts Erfolge über Erfolge feiern konnte. Das änderte sich 1830, als während der Julirevolution ein Mob Paris plünderte und das Geschäft in der Rue Saint-Honoré stürmte. Jean-Vincent verlor sein gesamtes Inventar, musste seine Patente und Rezepte verkaufen und starb in Armut. Eine brutale Zäsur und ein bitteres Schicksal einer faszinierenden Unternehmerpersönlichkeit, die den großen Romancier Honoré de Balzac zur Figur des César Birotteau im Zyklus der „La Comédie humaine“ inspirierte. Die Erinnerung an die Officine hatte indessen weiter Bestand, da der parfümierte Essig noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein unter dem Namen Bully vermarktet wurde.

Die Gegenwart

Seine Wiederauferstehung feierte das Unternehmen, nun unter dem Namen Officine Universelle Buly 1803, vor acht Jahren. Der aufmerksame Leser mag sich fragen, wo das zweite L im Namen geblieben ist? Mit dieser Änderung wollten Beauty-Profi Victoire de Taillac und Ramdane Touhami, Art Director und Inhaber einer Designfirma, den Beginn einer neuen Ära der Officine markieren. In ihrem Duo, das die Passion für die Werte der Vergangenheit und für die Parfümkunst mit authentischen Formeln ohne schädliche Chemie eint, spiegelt sich auf wunderbare Weise der Innovationsgeist der einstigen Gründer wider.

Zeitlose Innovationen 

Auch heute spielt ein neuartiges Produkt die zentrale Rolle im Sortiment: das „Eau Triple“ umfasst eine Kollektion alkoholfreier Parfüms, die ersten wasserbasierten ihrer Art auf dem Markt. Komplett frei von dehydrierenden Lösungsmitteln fühlen sich die Düfte auf der Haut besonders angenehm und pflegend an. Angelegt sind sie als Aura-Parfüms, die den Träger zart begleiten, statt ihn in eine dominante Duftwolke zu kleiden. Als klassisch möchte man die Komposition der Eaux bezeichnen, in deren Mittelpunkt jeweils ein edler natürlicher Rohstoff steht, wie z. B. Bergamotte aus Kalabrien, Damaszener-Rose oder Tuberose aus Mexiko. Wer nun denkt, das sei altbacken, liegt vollkommen falsch, schließlich ist ein Teil der Kollektion trendigen Rohstoffen wie Oud, Hinoki-Zeder oder Yuzu gewidmet.

Ergänzend zu den Eaux gibt es u. a. parfümierte Körperöle, Lotionen, Gesichtscleaner und -cremes, Lippenbalsame, Handcremes, Zahnpasta, Badesalz und vor allem auch sehr edle Duftkerzen in Marmorgefäßen. Die Vielfalt der Produkte lässt staunen und manchmal schmunzeln, schließlich werden in den Buly-Boutiquen ebenso einige Kuriositäten angeboten, z. B. ein mit den Namen Bonnie und Clyde beschriftetes Zahnbürsten-Pärchen, Kaugummis aus griechischem Mastixharz oder das „Eau Gymnastique“, ein Spray zum Parfümieren von Sportschuhen.

Mittels eines Gravur-Services und mit handschriftlich kalligraphisch gestalteten Kärtchen werden die Einkäufe personalisiert. Das trägt ebenso zum nostalgisch-liebevollen Markenimage bei wie die Verpackungen und das Design der Buly-Preziosen, die von Ramdane Touhami in einem bezaubernden, modern anmutenden Retrolook gestaltet wurden. Präsentiert werden die Produkte in Vitrinen und Regalen aus Eichen-, Walnuss- und Wurzelholz, die an historische Apothekerschränke erinnern.

Buly 1803 auch in München

Seit 2021 gehört Buly zum renommierten französischen Luxus-Konzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton und hat vor Kurzem am schicken Münchner Promenadeplatz eine Boutique eröffnet. Ein weiterer Beleg dafür, dass das Geschäft mit der Vergangenheit boomt. Doch wenn es in einem solch liebevollen Gewand daherkommt und dabei ästhetischen Reiz, zeitgemäße Qualität und die Freude am Vertrauten und Kuriosen so gelungen miteinander verbindet wie im Falle Buly, ist es eine echte Bereicherung der manchmal nüchternen Gegenwart.

Text von Christian Wurm

Bildrechte: Lara Freiburger (Boutique München)