Herzenssache: Helfen
Stiftungsmitglieder (v. l.): Nikolaos Mitulidis, Daniela Weitkamp, Dr. Alexa Becker, Veronika Hoffmann, Carmen Schörghuber, Clarissa und Michael Käfer, Ute Braun, Kathrin Diekmann, Martina Wurm-Stähler, Gisela Binkle, Prof. Dr. Anja Tuschke
Käfer Zeitung: Frau Käfer, Sie haben 2007 Ihre Stiftung für ältere, hilfebedürftige Menschen im Raum München gegründet. Wie kam es dazu und warum haben Sie sich für diesen Stiftungszweck entschieden?
Clarissa Käfer: Mein Mann und ich sind uns bei unserer Hochzeit noch einmal bewusst geworden, wie privilegiert wir eigentlich sind. Deshalb wollten wir keine großen Geschenke, sondern es war uns ein Bedürfnis, etwas an die Generation zurückzugeben, die München durch ihren Fleiß und Optimismus wieder zu einer prosperierenden Weltstadt mit Herz gemacht hat. Das war schließlich auch der Nährboden für den Erfolg des Unternehmens Käfer. So kamen wir auf die Idee, eine Stiftung zu gründen. Ältere, hilfsbedürftige Menschen hatten – im Gegensatz zu Kindern oder Tieren – damals nur wenige im Fokus. Heute hat sich das durch den demografischen Wandel ein bisschen geändert, aber es gibt für uns immer noch mehr als genug zu tun.
Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Wir unterstützen eine Vielzahl von Initiativen und Projekten in den Bereichen Vereinsamung, Obdachlosenhilfe, Wunscherfüllung, Demenz- und Palliativpflege sowie Seniorenheime. Dazu gehören ganz praktische Dinge wie das Packen und Verteilen von Care-Paketen zu Weihnachten oder Ostern für die Menschen, die auf der Straße leben, die Organisation von z. B. Sommerfesten in Senioreneinrichtungen und den Alten- und Service-Zentren der Stadt München oder Kostenübernahmen wie bei den Demenzführungen in der Musikinstrumente-Abteilung des Deutschen Museums. In ganz vielen Fällen geht es uns darum, die gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zu fördern, damit sich die Menschen gesehen und gehört fühlen.
Was war für Sie ein besonderes Highlight in der Stiftungsarbeit?
Jedes Projekt ist für mich ein Highlight, sobald ich die Freude und das Strahlen in den Augen der Menschen sehe. Ein Meilenstein war sicher die Eröffnung der Tagespflege der Nachbarschaftshilfe in Vaterstetten, in die wir viel Herzblut, Zeit und Geldmittel gesteckt haben. 20 Seniorinnen und Senioren können hier tagsüber an einzelnen Tagen oder die gesamte Woche betreut werden. Damit wird ihnen der Verbleib in der Häuslichkeit erleichtert und für die Angehörigen wird Zeit geschaffen, um ihre eigenen Erledigungen vornehmen zu können. Und unsere Einladung auf die Wiesn war für mich unvergesslich. Wir haben im Jahr 2023 über 800 Seniorinnen und Senioren in die Käfer Wiesn-Schänke aufs Oktoberfest eingeladen. Es gab für alle Brotzeitbrettl, eine deftige Hendl- und Entenpfanne mit den entsprechenden Beilagen und ein leckeres Nachspeisenreindl mit allem, was das Herz begehrt. Unsere berühmte Band Gerry & Gary hat gespielt und Patrick Lindner hat zur großen Begeisterung der Seniorinnen und auch der Senioren seine bekanntesten Lieder gesungen. Unten an der Treppe zum ersten Stock parkten die Rollatoren, und oben wurde Polonaise getanzt. Es war ein Riesenspaß und ein Gänsehautmoment für alle Beteiligten. Und wenn einem dann im Anschluss eine Teilnehmerin schreibt, „Dass ich so etwas in meinem Leben erleben durfte, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Auch wenn ich einmal dement werden sollte, das werde ich nie vergessen“, dann ist das einfach nur wunderschön.
Wie erfahren Sie von den Einrichtungen und Initiativen, die Sie unterstützen?
Um das zu beantworten, muss ich kurz auf die Struktur unserer privaten und als gemeinnützig anerkannten Stiftung eingehen. Das Team arbeitet zu 100 Prozent ehrenamtlich, wir sind zehn feste Mitglieder – Freundinnen, von denen ich die meisten aus meiner Zeit des Jura-Studiums kenne, und Nikolaos, der auch schon sehr lange dabei ist. Über die Jahre hinweg hat jede und jeder von uns eine besondere Leidenschaft und Expertise für verschiedene Schwerpunkte entwickelt und Kontakte in diesem Umfeld geknüpft. Über dieses gewachsene Netzwerk lernen wir immer wieder neue spannende Menschen und Projekte kennen. Da wir mittlerweile in München schon bekannt sind, erhalten wir auch viele Anfragen. Jedes Projekt, das wir unterstützen, wird vorher von einem Zweier-Team begutachtet, damit die Spendengelder an der richtigen Stelle ankommen. Wir achten auch sehr darauf, dass wir nicht nur einmalig, sondern über viele Jahre unterstützen.
Kooperieren Sie auch mit anderen gemeinnützigen Vereinen?
Auf jeden Fall! Viele Projekte, die wir unterstützen, werden von Vereinen organisiert, so z. B. der KlinikClowns Bayern e.V. oder der ASB Wünschewagen, deren Arbeit mich sehr berührt. Die KlinikClowns bringen mit ihrem Lachen und ihrer Herzlichkeit Freude in die Seniorenheime. Sie schaffen auch unvergessliche Momente der Verbundenheit, die oft in der Einsamkeit des Alters verloren gehen. Ihre liebevolle Art verwandelt triste Tage in bunte Erlebnisse und schenkt den Bewohnern das Gefühl, dass sie geliebt und wertgeschätzt werden. Der Wünschewagen wiederum unterstützt Menschen in der letzten kurzen Zeitspanne, die ihnen noch zum Leben bleibt. Die Themen Tod und Sterben rücken hier in den Mittelpunkt. Denn es geht darum, Menschen aus ihrem Klinik- oder Hospizalltag herauszuholen und sie für eine kurze Zeit wieder am „normalen“ Leben teilnehmen zu lassen.
Sie arbeiten für das eigene Unternehmen als Rechtsanwältin und Steuerberaterin und haben einige börsennotierte Aufsichtsrats- und Beiratsmandate. Wie schaffen Sie es, neben Beruf und Familie noch Zeit für die aktive Stiftungsarbeit zu finden?
Dieses Engagement ist für mich eine Herzensangelegenheit, die mir sehr viel Freude bereitet. Empathie und Hilfsbereitschaft sind der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, und das ist gerade im Moment wichtiger denn je. Es ist ein schönes Gefühl, sich aktiv einzubringen, etwas verändern zu können und die Münchner Mitmenschen glücklich zu sehen. Menschenliebe war immer eine der wichtigsten Botschaften von meinem Mann und mir, und die versuchen wir täglich vorzuleben – unseren Kindern Nikolas und Raphael, im Unternehmen und eben auch mit unserer Stiftung.
Vielen Dank für das Gespräch.
WEITERE AKTIONEN DER KÄFER STIFTUNG
Kulturhighlight: Nach dem Besuch der Generalprobe des 6. Akademiekonzerts in der Bayerischen Staatsoper begrüßten Clarissa und Michael Käfer gemeinsam mit Verena Dietl, der Dritten Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, und dem Staatsintendanten der Bayerischen Staatsoper Serge Dorny die zahlreichen Senioren zum Mittagessen im Käfer Restaurant LUDWIG ZWEI.
Gelebtes Brauchtum: Die Kinder des Trachtenvereins „Glonntaler Glonn“ erfreuen die Senioren auf von der Käfer Stiftung organisierten Sommerfesten mit ihren traditionellen Musik- und Tanzeinlagen. Bei Wurstsalat, Obazda und Brezn geht es immer fröhlich zu und viele Senioren schwelgen in schönen Erinnerungen.
Hunde: können nicht nur bellen, sondern auch Freude und Lebenslust vermitteln. Die Käfer Stiftung unterstützt die ASB Besuchshundestaffel, die in zahlreiche Seniorenheime geht und dort den Bewohnern und Teams ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
Musik: Die inklusiven Demenzführungen „Mit Musik gegen das Vergessen“ in der Musikinstrumente-Ausstellung sind ein wertvolles Engagement des Deutschen Museums. Die Käfer Stiftung übernimmt seit 2025 die Eintrittsgelder für die Senioren und ihre Betreuer.
Obdachlosenhilfe: Die Abtei St. Bonifaz unter der Leitung von Frater Prior Emmanuel Rotter kümmert sich mit einem bedarfsorientierten Angebot um
obdachlose Menschen. Das Kloster, das hauptsächlich von Männern besucht wird, hilft mit einer Kantine, Duschen, einer gut sortierten Kleiderkammer und medizinischer Versorgung.
Mobilität: In Vaterstetten und Ebersberg sind die Rikschas der Käfer Stiftung ein besonderes Angebot an alle, die selbst nicht mehr so mobil sind. Die ehrenamtlichen „Piloten“ kutschieren ihre Fahrgäste auf Wunsch zur Eisdiele, zum Stammtisch oder auch zum Friedhof.
