Der Genuss-Stratege

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Neben Michael Käfer ist Mario Stock der zweite Geschäftsführer der Feinkost Käfer GmbH. Im Gespräch verrät er uns, was ihn motiviert, wofür er das Unternehmen besonders liebt und wo man ihn findet, wenn er sich entspannen möchte.

Käfer Zeitung: Herr Stock, Sie haben vor ziemlich genau 15 Jahren im Käfer Stammhaus die Ladenleitung übernommen. Eigentlich sind Sie gelernter Koch und Kellner und waren zuvor in der Alten Oper in Frankfurt Betriebsleiter der Käfer Gastronomie. Was hat Sie an der Aufgabe im Feinkostladen gereizt?

Mario Stock: Das Thema Feinkost, also das perfekte Produkt, hat mich unheimlich fasziniert, spielte aber in Frankfurt damals eine eher untergeordnete Rolle. In München war einfach der „richtige“ Käfer, auf den man von dort oben mit Bewunderung geschaut hat. Diese Qualitäten, die wir hier im Stammhaus schon immer hatten, sind etwas ganz Besonderes und auch die Menschen dahinter, die das Haus prägen. Dazu kam, dass meine Frau aus München stammt und es auch näher an meiner Heimat Österreich ist. Für mich war das eine Win-win-Situation und eine willkommene Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe.

Heute sind Sie Geschäftsführer der Feinkost Käfer GmbH und damit neben dem Laden auch für die Käfer-Schänke, die Delis, den Onlineshop und das Beetle verantwortlich. Wie bekommt man so viele Betriebe unter einen Hut?

Ein gutes Team mit den richtigen Leuten an der Spitze, die die Strategie verstehen und gemeinsam mit mir umsetzen – das ist das Wichtigste. Ich bin ein extrem operativer Mensch und wahnsinnig gerne direkt dran am Geschehen. Ein eigenes Büro brauche ich nicht, nur meinen Laptop, mit dem ich zwischen den einzelnen Einheiten hin- und herpendele. Und ich habe es irgendwie geschafft, dass ich nie die typischen Schreibtischtätigkeiten machen musste, das habe ich immer sehr gut an Mitarbeiter wegdelegieren können, denen das deutlich mehr liegt.

Dazu kommt, dass Synergien innerhalb des Unternehmens besser genutzt werden können, wenn eine Person mehrere Betriebe unter sich hat. Man sieht besser das große Ganze, wo sich die Bereiche vielleicht überlappen, welche Learnings sich übertragen lassen und wie daraus eine runde Sache entstehen kann. So haben wir zum Beispiel den Laden besser mit den Delis vernetzt und produzieren aus dem Stammhaus seit geraumer Zeit auch für sie mit, was die Standorte deutlich attraktiver und damit auch erfolgreicher macht.

Bei so vielen unterschiedlichen Geschäftsfeldern braucht man auch eine Menge Menschen, die Dienstleistung leben und ihre Bereiche verantwortungsvoll führen. Wie findet man diese Mitarbeiter und was zeichnet die Zusammenarbeit bei Käfer aus?

Es gibt eigentlich nur zwei Arten von Mitarbeitern bei uns: die, die es lieben und zum Teil über Jahrzehnte bleiben – und die, für die es nicht passt und die daher auch bald wieder weg sind. Durch diese Konstanz entsteht auch der persönliche Zusammenhalt, der uns als Familienunternehmen prägt. Wir bilden sehr viel selbst aus, gerade haben wir 56 Azubis nur hier im Stammhaus. Von denen wird erfahrungsgemäß rund ein Drittel bleiben, und viele, die heute bei uns in leitenden Positionen sind, haben schon bei Käfer gelernt. Dieser eigene Nachwuchs ist unser größtes Kapital und daher werden wir auch zukünftig vielen Menschen die Möglichkeit geben, bei uns zu lernen.

Was dieses Haus auch besonders macht, sind die Persönlichkeiten, die Leidenschaft und einen eigenen Kopf mitbringen. Reine Ja-Sager habe ich in den vielen Jahren hier kaum erlebt, und das ist auch gut so, denn nur so können wir uns als Unternehmen weiterentwickeln. Käfer gilt als Traditionshaus und Trendsetter zugleich. Wie findet man die Balance zwischen diesen beiden Polen?

Höchste Produktqualität und ein außergewöhnlicher Service sind nach wie vor die DNA des Unternehmens, und an beiden Bereichen arbeiten wir permanent. Durch Corona ist zwar zeitweise dieses Helmut-Käfer-Gen, nach dem absolut Besonderen zu suchen, ein wenig zugunsten der Quantität in den Hintergrund getreten. Aber wir greifen es jetzt verstärkt wieder auf und setzen Trends, etwa mit den Tees von Mariage Frères oder Produkten von Noma aus Kopenhagen. Alle Trends bewirkenzudem eine Gegenbewegung, und so ziehen KI und das Digitale den Wunsch nach dem Persönlichen nach sich. Wir haben allein im Handel 680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – das ist in einer Zeit, in der viele Unternehmen Personal abbauen und SB-Kassen auf dem Vormarsch sind, wirklich viel. Hier sind wir ganz traditionell und begleiten die Kundinnen und Kunden herzlich und fachkundig bei ihrem Einkauf. Personalisierte Produkte wie der individuell gestaltbare Arrow von Veuve Clicquot oder auf Wunsch zusammengestellte Präsente laufen super, auch im Onlineshop. Daran erkennt man, dass es eben nicht die Ware von der Stange ist, die man bei uns erwartet und auch bekommt.

Was uns sicherlich auch noch von unseren Mitbewerbern unterscheidet, sind leicht polarisierende Themen wie die langjährige Verbindung zum FC Bayern, der jetzt sogar ein neues Maskottchen in Form eines Porzellan-Kakadus aus unserer Käfer-Schänke hat. Oder Harry G., der uns immer wieder mit dem Schickimicki-Image auf die Schippe nimmt, und die Wiesn-Schänke mit dem Almauftrieb und den vielen anderen schillernden Events.

Wie findet man denn neue innovative Ideen?

Entscheidend ist, selbst regelmäßig unterwegs zu sein, sich viel anzuschauen und von anderen zu lernen – das ist auch Michael Käfer sehr wichtig, der das vorlebt und uns permanent triggert, neue Impulse von außerhalb mitzubringen. Ich war kürzlich erst wieder mit einer kleinen Gruppe in London. Auch Paris und Madrid sind aktuell sehr spannend. Da schauen wir uns dann die aktuellen Hotspots an, unterhalten uns mit den Leuten und versuchen, daraus Ideen für uns abzuleiten. Direktes Kopieren funktioniert meistens nicht und wäre auch langweilig, aber man nimmt doch wertvolle Anregungen mit, was gerade angesagt ist, wie Gerichte angerichtet sind, wie sich die Leute kleiden oder welche Eventformate überraschend anders sind. Hingehen, sich als Gast fühlen, Dinge aufschreiben und Fotos machen – das funktioniert für uns am besten.

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Stammhaus?

Das Blaue Zimmer, in dem wir gerade sitzen, ist sicherlich einer. Wir nutzen es auch als Stube für die Käfer-Schänke, aber wenn es gerade nicht belegt ist, finde ich es ideal für die Kommunikation und Brainstormings mit dem Team. Man hat viel Platz und kann durch den schönen Rahmen superkreativ sein. Ein anderer Lieblingsplatz ist das Bistro. Meistens trinke ich morgens an einem der Tische hinten am Spiegel einen Kaffee und lasse den Blick in den Laden schweifen, der sich gerade für den Tag fertig macht.

Welche Produkte sind aktuell ihre persönlichen Favoriten?

Im Laden gehören die Tees von Mariage Frères dazu, das sind wirklich besondere Produkte – geschmacklich wie optisch. Und natürlich ist die Himbeertarte ein Alltime Favourite, die isst auch unser Sohn wahnsinnig gerne. Yuzu-Limonade von Yuzuka haben wir auch immer privat im Kühlschrank. In der Käfer-Schänke esse ich am liebsten eine große Wildfang-Seezunge filetiert, nur mit Butter, Kartoffeln und Gemüse, und im Beetle ist es das Backhendl, das sich zu einem echten Bestseller entwickelt hat.

Womit entspannen Sie sich abseits Ihres Jobs, was begeistert Sie privat?

Reisen natürlich, und ich gehe zu jedem FC-Bayern-Spiel in der Allianz Arena. Das ist meine persönliche Me-Time, ich liebe dieses Stadion und die Atmosphäre dort. Herr Stock, herzlichen Dank für das Gespräch.

DIE LEGENDÄRE HIMBEERTARTE
Der Klassiker in der Käfer Confiserie, für den Helmut Käfer einst das Rezept aus Paris mitbrachte. Das Geheimnis sind knuspriger Mürbeteig, eine hauchdünne Schicht weiße Schokolade, feine Vanillecreme und handverlesene Himbeeren. Das Tüpfelchen auf dem i ist der spezielle Puderzucker, der lange seine weiße Farbe behält.

BACKHENDL AUS DEM BEETLE & SEEZUNGE AUS DER KÄFER-SCHÄNKE
Das Backhendl im Beetle-Style hat sich nicht umsonst in kürzester Zeit zu einem Bestseller entwickelt. Das Aidenbachthaler Landgeflügel wird mit Sauerrahm, frischer Petersilie, etwas Cayennepfeffer und Zitronenabrieb mariniert, bevor es paniert und in Butterschmalz herausgebacken wird. Bei Panade, Kartoffelsalat und Saucen hat der Gast die Wahl zwischen je drei Varianten und kann sein Backhendl ganz nach Gusto gestalten. Die Seezunge gehört zu den begehrtesten Speisefischen der Welt und zeichnet sich durch ihr weißes, grätenfreies und leicht nussig schmeckendes Fleisch aus. Käfer bezieht sie als Wildfang aus dem französischen Atlantik. Die Beilagen können frei aus der Karte gewählt werden.

MEIN DURSTLÖSCHER
Die Yuzu-Limonade von Yuzuka ist der perfekte sommerliche Durstlöscher. Mit ihrer feinen Balance aus Zitrusfrische, leichter Bitterkeit und einem Hauch Süße ist sie ein außergewöhnlicher Genuss und kann pur, auf Eis oder gemixt getrunken werden.

Bildrechte: Cem Czerwionke (Portrait)